Die Liebenden

Tarotkarte Die Liebenden – Die Schlange

By 7. April 2019 No Comments

Die Schlange als Projektionsträger

Die Schlange ist erst mal ein ganz normales Tier. Sie folgt einfach ihrem Instinkt zur Arterhaltung. Darüber hinaus hat sie sicherlich ihre ganz spezielle Funktion im ökologischen Gleichgewicht ihres jeweiligen Lebensraumes. Ihr Pech ist, dass sie durch ihre Gestalt, ihre schlängelnde Fortbewegung und ihr bedrohliches Aussehen, wenn sie sich aufrichtet, etwas unheimliches ausstrahlt. Und dann gibt es Schlangenarten, die ihre Opfer durch Gift oder durch Würgen töten. Wenn das Opfer ein Mensch ist, geht das häufig tödlich aus. Wird ein Mensch von einem Löwen angefallen, ist das auch so und trotzdem haftet dem Löwen nicht so etwas unheimliches an wie das bei der Schlange der Fall ist. Ich vermute, dass genau dies die Schlange zur geeigneten Projektionsfläche für menschliche Vorstellungen aller Art macht.
Aber die Schlange häutet sich in regelmäßigen Abständen und wird dadurch zum Symbol für Erneuerung, für Leben und Auferstehung.

Die Schlange in der biblischen Schöpfungsgeschichte

In den Mythologien der Völker begegnet uns die Schlange in ausgesprochen positiver Bedeutung, aber ebenso in negativer. In unserem Kulturkreis kennen wir beide Bedeutungen. Positiv besetzt ist die Schlange als Symbol der Heilung im Äskulapstab.  Vorherrschend aber ist die Schlange das Sinnbild für die Verführung zur Sünde. Hat sie doch Eva verführt, das Gebot Gottes zu missachten und die Frucht vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen zu pflücken.
„Und die Schlange war listiger denn alle Tiere auf dem Felde, die Gott der Herr gemacht hatte und sprach zu dem Weibe: Ja sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allerlei Bäumen im Garten?“ Eva erklärt der Schlange, was genau Gott geboten hat, nämlich dass sie von allen Früchten essen dürften außer von dem Baum mitten im Garten Eden. Sonst würden sie sterben. „Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet mitnichten des Todes sterben; sondern Gott weiß, daß, welches Tages ihr davon esset, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.“ beides 1. Mose 3
Daraufhin pflückte Eva die Frucht, aß davon und gab sie auch Adam zu essen. Was folgte, war die Vertreibung aus dem Paradies hinein in die unwirtlich geschilderte materielle Welt. Tatsächlich sind Adam und Eva nicht gestorben. Sie haben  aber den Tod kennengelernt in der materiellen Welt. Und sie haben die Polarität kennengelernt, repräsentiert durch das Gute und das Böse – und die Erfordernis, sich ständig zu entscheiden (s. auch https://www.tarot-begleitung.de/wp-admin/post.php?post=5048&action=edit)

Was hat die Schlange gemacht?

Die Schlange, die im Paradies ist sozusagen zum Urbild des Bösen geworden. Eva zu ermuntern, gegen Gottes Gebot zu verstoßen, das ist doch die Sünde pur!. Schlimmeres kann man eigentlich nicht machen. Das hat dem Ansehen der Schlange immens geschadet. Aber was hat sie denn gemacht? Sie hat Adam und Eva auf den schon vorgezeichneten Weg in die materielle Welt geschickt. Hätten die beiden, also wir Menschen, ewig im Paradies verblieben sollen, wo keine Entwicklung geschieht? Oder war es unausweichlich, dass Adam und Eva die Sehnsucht hatten, zu sein wie Gott? Das heißt, selbst Schöpfer ihres Lebens zu sein, eigene Entscheidungen zu treffen und ihr Leben eigenverantwortlich zu gestalten. Ich finde, dass dieser Weg bereits durch das Vorhandensein des Baums der Erkenntnis des Guten und des Bösen vorgezeichnet war.
Insofern war die Schlange – selbst mythologisch ein polares Wesen – die Botin Gottes. Sie gab den Anstoß zu einer bereits angelegten Entwicklung.

Die Schlange und die Frauen

Die Kirche hat stets Eva als die Sünderin gesehen. Davon zeugen die Darstellungen des „Sündenfalls“ an den gotischen Kathedralen, hier von Notre Dame. Die Schlange hat einen weiblichen Oberkörper mit einem verführerischen Busen. Eva ist diejenige, die nicht gehorsam ist, die sich verführen lässt und noch schlimmer: die selbst Verführerin ist. Sie selbst ist die böse Schlange. Sie hat Adam, den Mann, dazu verführt, sich ihrem Ungehorsam anzuschließen. Eva ist also für das ganze Unglück der menschlichen Existenz verantwortlich. Welch eine Ungeheuerlichkeit! Wozu diese Sichtweise für das Schicksal der Frauen im Patriarchat geführt hat, wissen wir alle.
Übrigens: war Adam so dämlich, dass er nicht erkannt hat, auf was er sich einlässt?
Soviel über die Schlange. Am besten, du liest diese Geschichte selbst einmal.

 

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