So wie die kleinen Arkana auf den Sephiroth angeordnet werden können, lassen sich auch die großen Arkana am Baum verorten. Sie besetzen zusammen mit den 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets die 22 Pfade, die die Sephiroth miteinander vernetzen.
Jedem der Pfade 11 – 32 ist ein hebräischer Buchstabe zugeordnet, beginnend mit dem Aleph auf Pfad 11.
So weit so klar. Aber wie positioniert man nun die Bilder der Großen Arkana auf den Pfaden. Wer soll die 11. Pfad, einnehmen, der von der höchsten Sephirah Kether ausgeht? Der Narr oder der Magier? Von dieser Entscheidung hängt die Position aller anderen Karten ab.
Darüber herrschen verschiedene Meinungen. In der Tradition des Golden Dawn (mystischer Orden um 1900, dem auch Waite und Crowley angehörten) nimmt der Narr den Pfad 11 ein.
Dennoch bleibt die Frage: steht der Narr am Anfang oder steht er am Ende? Springt er – aus dem Ain Soph Aur kommend von Kether aus in den Baum hinein oder ist es sein Sprung von Jesod aus in die materielle Welt von Malkuth, mit dem er den Pfad 11 dem Magier überlässt?
Beides macht Sinn. Es gibt im Tarot eben kein „richtig“ oder „falsch“. Man kann sich jeweils für eine Version entscheiden und sich trotzdem für andere Möglichkeiten offen halten.
Ich habe mich für den Narren auf Pfad 11 entschieden, wie auf dem Diagramm zu sehen ist.
So ist es mit dem Baum. Er lebt und seine Früchte bestehen nicht aus unumstößlichen Gewissheiten, sondern darin, uns tiefer auf die Geheimnisse der göttlichen Schöpfungsordnung und damit auf uns selbst einzulassen.
Die Deutung ergibt sich durch die Position einer Karte auf dem Pfad zwischen den beiden Sephiroth. Man verbindet den Sinngehalt der beiden Sephiroth mit dem der Karte.
Hinzu kommt noch die Bedeutung des hebräischen Buchstabens, der zu einem bestimmten Pfad gehört. Rachel Pollack gibt in ihrem Buch „Der Kabbala-Baum“* Hinweise auf die Bedeutung der Karten am Baum in Verbindung mit den hebräischen Buchstaben.
Ich gebrauche diese Deutungsmöglichkeit (noch) nicht. Deshalb führe ich auch keine Beispiele an.
* „Der Kabbala Baum – Reise zu Balance und innerem Wachstum“ Ein Begleitbuch zum Gemälde „Baum des Lebens“ von Hermann Haindl
Man kann sich zwischen den beiden Möglichkeiten entscheiden und sich gleichzeitig für die andere Version offen halten. Ich habe mich dafür entschieden, den Narren auf Pfad 11 anzusiedeln, da mir seine weitreichende Symbolik dies nahe legt. Es gibt aber auch gut Argumente dafür, dem Magier Pfad 11 und dem Narren Pfad 32 zuzuweisen.