Wenn wir uns das Symbol des Lebensbaumes anschauen, sehen wir, dass die Sephiroth in 3 senkrechten Säulen übereinander angeordnet sind. Auf der mittleren Säule befinden sich 4 Sephiroth*, auf den beiden äußern Säulen je 3.

Die Säulen werden so bezeichnet:

Baum des Lebens 2

Linke SäuleMittlere SäuleRechte Säule
Säule der StrengeSäule der MildeSäule der Gnade
Weibliche SäuleMännliche Säule
Formgebende SäuleBelebende Säule
Sephiroth:Sephiroth:Sephiroth:
Binah, Geburah, HodKether, Tiphareth, Jesod MalkuthChockmah, Chesed,Nezach

Die Bezeichnungen für die beiden äußeren Säulen und die auf ihr liegenden Sephiroth (Link: Grafik Der Baum des Lebens) lassen sogleich erkennen, dass es sich um gegensätzliche Qualitäten handelt. Die gegenläufigen Grundprinzipien von Gnade und Strenge sind ebenso unverzichtbar wie das Gegensatzpaar männlich und weiblich. Auch Formgebung und „Belebung“ sind aufs engste miteinander verwoben. Die Form ist vonnöten, um die belebenden Kraft aufzufangen, sie „in Form“ zu bringen, um sie überhaupt sichtbar und brauchbar zu machen. Die Form wiederum benötigt die belebende Kraft, damit sie formbar und lebendig bleibt und zusammen mit der belebenden Kraft Neues erschaffen kann. Ein Beispiel hierfür sind die Funktionen von Uterus (Formgebung) und Phallus (belebende Kraft) bei der Zeugung.
Bei den beiden äußeren Säulen und bei den jeweils gegenüberliegenden Sephiroth handelt sich um Gegensatzpaare, die jedes für sich ihre Berechtigung haben, die aber der Korrektur durch ihren Gegenüber bedürfen, damit sie nicht ausufern, sondern ihre Aufgabe erfüllen. Hier zeigt sich das Prinzip der Polarität, das allem Leben zugrunde liegt.
Die mittlere Säule bildet sozusagen das Rückgrat des Baumes, hält ihn aufrecht und vermittelt zwischen den Gegensätzen der beiden äußeren Säulen und stellt deren Synthese dar. Das Ergebnis ist Milde. Auf der mittleren Säule findet der Ausgleich der Gegensätze statt. Damit wird der Baum in der Balance, im Gleichgewicht gehalten.

Und genau darum geht es: Unsere Aufgabe ist es, den Baum unseres Lebens immer wieder auszubalancieren, immer wieder aus den Zerrissenheiten und Einseitigkeiten unseres Lebens zurück in unsere Mitte zu finden. Kurz:
Den Baum unseres Lebens immer wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Es könnte ja so einfach sein, den direkten Weg und von Malkuth (Erde, Schicksal) nach Kether (Ganzheit, Heilung) zu nehmen und sich die lästigen und zuweilen leidvollen Umwege über die äußeren Säulen zu sparen. Aber so ist es, der Baum hat nicht nur einen Stamm, er hat auch die Äste. Sie sind es, die es uns möglich machen, im Baum immer höher zu klettern.

* Zu erwähnen ist, dass zwischen Kether und Tiphareth die verborgene Sephira
Da´ath liegt, die aber für die Verbindung zwischen Tarot und Lebensbaum bislang keine Rolle spielt. Das kann ja noch kommen.