
© Königsfurt Urania
Mit so einem tollen Ergebnis ihrer Zornesaktion hätte die Königstochter nicht gerechnet. Sie wollte einfach den Druck loswerden und danach soll alles wieder beim Alten sein. Ist es aber nicht. Es gibt kein Zurück in alte Strukturen. Ohne dass es ihr wirklich bewusst war, hat sie gerade eine alte Struktur vernichtet und dem Neuen damit Raum gegeben. Der Sprung in das Neue aber ist überwältigend. Das kann be m Zerschlagen des gordischen Knotens herauskommen: Es entsteht ein weiter Raum, eine Freiheit und der Horizont hat sich erweitert. Wow, fühlt sich das gut an!
Als der freundliche Königssohn vor ihr steht, stellt sie sich unmittelbar auf die neue Situation ein und lädt ihn in ihr Bettchen ein. Dort verbringen sie die Nacht miteinander. Mit ihm kann sie ihr Versprechen einlösen.
Wer ist aber dieser Prinz? Er ist ihre so sehr vernachlässigte männliche Seite. Die, mit der man sein Leben aktiv gestaltet, bewusste Entscheidungen trifft, sich mit sich und der Welt auseinandersetzt und vieles mehr. Der Psychoanalytiker C.G.Jung hat die Männliche Seite in uns Animus genann, die weibliche Seite Anima. Jeder Mensch, ob Mann oder Frau hat sowohl eine männliche als auch eine weibliche Seite. Beide sollten im Gleichgewicht sein. Kein Mann kommt aus ohne Empathie, Gefühle, Verletzlichkeit und all das, was die weibliche Seite ausmacht. Und keine Frau kann auf die aktiven Kräfte verzichten, mit denen sie ihr Leben selbstbestimmt gestaltet.
Diese Seite, die der verwöhnten Königstochter so sehr gefehlt hat, steht nun vor ihr und erweist sich als ein Teil von ihr.
Hat die Königstochter sich diesen schönen Prinzen verdient? Sie wollte doch nur den ekligen Frosch vernichten. Ich denke schon. Sie hat zuvor ja ganz schön gelitten und musste immer wieder über ihren Schatten springen und den Frosch an sich heranlassen.
Ein bisschen Geheimnis bleibt. Und Stoff zum Nachdenken.

